2020-05-23: "positive stimmen 2.0" - Umfrage zum Leben mit HIV sucht Interviewpartner*innen

positive stimmen 2.0Für das Interviewprojekt People Living with HIV Stigma Index 2.0 werden In Deutschland mindestens 500 Interviewpartner*innen mit HIV gesucht. Sie sollen in den nächsten Monaten von ebenfalls HIV-positiven Interviewer*innen insbesondere zu Erfahrungen mit HIV-bezogener Stigmatisierung und Diskriminierung befragt werden. Im Juni startet zudem eine ergänzende Online-Umfrage zum Leben mit HIV in Deutschland.

Ganz gleich, ob unausgesprochen, ganz subtil oder demonstrativ ausgrenzend: Wenn Menschen mit HIV Stigmatisierung und Diskriminierung erleben, kann das für sie sehr belastend sein und ihre Lebensqualität beeinträchtigen. Um solche Erfahrungen erstmals in großem Umfang systematisch dokumentieren und auswerten zu können, wurde in den Jahren 2011 und 2012 in Deutschland das Projekt "positive stimmen" durchgeführt. 1148 Menschen mit HIV wurden dazu von speziell geschulten Interviewer*innen befragt, die ebenfalls HIV-positiv waren.

Erste Ergebnisse wurden bereits im August 2012 vorgestellt, der ausführliche Ergebnisband erschien 2014. Mit der Auswertung konnte erstmals mit handfesten Zahlen das Ausmaß der Diskriminierung aufgrund einer HIV-Infektion belegt werden. Zwei Beispiele: Knapp 77 Prozent der Befragten hatten im Jahr vor der Befragung Diskriminierung erlebt – von Tratsch über Beleidigungen bis hin zu tätlichen Angriffen –, und rund 20 Prozent war im Jahr vor der Befragung aufgrund von HIV eine medizinische Behandlung verweigert worden.

Interviews können auf Wunsch auch per Video geführt werden, sind aber weiterhin auch von Angesicht zu Ansicht möglich. Die Abstandsregeln werden dabei selbstverständlich eingehalten – ob im Freien, beispielweise im Garten oder einer ruhigen Ecke im Park, oder etwa in Räumen der örtlichen Aidshilfe. Wer mit einem Treffen lieber noch warten möchte, kann dennoch schon sein Interesse mitteilen.

Corona-bedingt wurde die Interviewphase voraussichtlich bis Ende 2020 verlängert. Mindestens 500 Personen sollen bis dahin interviewt werden.

Für die Aussagekraft der Umfrageergebnisse ist mitentscheidend, dass die gesamte Vielfalt der HIV-Community abgebildet wird, also zum Beispiel Menschen aus möglichst vielen Regionen des Landes, aus Kleinstädten genauso wie Metropolen, Heterosexuelle und Menschen aus der LGBTIQ*-Community, Ältere und Jüngere, Drogengebraucher*innen, Migrant*innen und Geflüchtete oder Sexarbeiter*innen. Im Juni geht außerdem eine ergänzende Online-Umfrage an den Start, um noch von mehr Menschen am Projekt beteiligen und zusätzliche Themenbereiche ansprechen zu können.

Menschen mit HIV, die bereit sind, sich für das Projekt interviewen zu lassen, wenden sich bitte an das Projektteam, E-Mail: positive-stimmen@dah.aidshilfe.de, Telefon: 030 / 69 00 87-23.

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