Aktuelle Presseinformation der Aidshilfe NRW

Aidshilfe NRW zum Welt-Hepatitis-Tag: Zugänge zu Prävention und Information, Beratung und Test, Behandlung – Handlungsbedarf auf allen Ebenen

Hepatitis ist ein Thema, das die Arbeit und die Zielgruppen der Aidshilfen klar betrifft. Das ganze Gesundheits- und Hilfesystem muss jedoch mitgehen, wenn hier Fortschritte sichtbar werden sollen. Die Aidshilfe NRW hat in diesem Jahr ein Hepatitis-Strategiepapier (PDF-Datei) verabschiedet, das die Herausforderungen entlang der vier Handlungsfelder Information und Prävention – Beratung und Test – Behandlung – Antidiskriminierung aufzeigt. Es wird wesentlich sein, die Zugänge zu diesen Bereichen für die Zielgruppen zu verbessern. Dies sind insbesondere drogengebrauchende Menschen, Menschen in Haft, schwule und andere Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), und Menschen mit Migrationshintergrund aus Hochprävalenzregionen. Hierzu bedarf es eines verstärkten Bewusstseins für die Relevanz des Themas, mehr Vernetzung innerhalb des Hilfesystems und mehr Empowerment der Zielgruppen. Nicht zuletzt benötigen die Strukturen auch mehr Ressourcen, um die zusätzlichen Anstrengungen auch bewerkstelligen zu können.

„Uns stehen alle Werkzeuge zur Verfügung, um Menschen effektiv vor einer Hepatitis-Infektion zu schützen beziehungsweise sie im Falle einer Infektion zeitnah testen und behandeln zu können“, so Arne Kayser, Landesvorsitzender der Aidshilfe NRW. „Gegen Hepatitis A und B gibt es eine Impfung, die für besonders gefährdete Zielgruppen  kostenlos ist.1 Auch vor Hepatitis C kann man sich durch Präventionsmaßnahmen schützen und im Falle einer Infektion steht eine hoch effektive und nebenwirkungsarme Behandlung zur Verfügung. Behandelt werden selbstverständlich auch die, die sich reinfizieren, oder Menschen, die aktiv Drogen gebrauchen. Diese Informationen müssen aber auch bei den Zielgruppen ankommen und die individuellen Vorteile eines Tests und einer Behandlung noch deutlicher vom Hilfesystem kommuniziert werden, sowohl in der einzelnen Ansprache als auch durch breite, öffentlichkeitswirksame Kampagnen. Hierzu gehört auch ganz klar die Information: Es ist keine Schande, sich etwa eine Hepatitis-C-Infektion zugezogen zu haben, die mit Drogenkonsum oder vermeintlich härteren Sexualpraktiken in Verbindung gebracht wird. Stigmatisierung ist hier genauso fehl am Platz wie es bei HIV der Fall ist.“

Laut Robert Koch-Institut wurden im letzten Jahr 5.947 Fälle von erstdiagnostizierter Hepatitis C in Deutschland ermittelt, dies bewegt sich ungefähr auf Vorjahresniveau (2018: 5.899 Meldungen). In NRW wurden 1.313 Hepatitis-C-Diagnosen übermittelt (2018: 1.322 Meldungen). Dies entspricht einer Inzidenz von 7,3 pro 100.000 Einwohner*innen (bundesweit: 7,1). Insgesamt ist der Trend seit mehreren Jahren steigend, während die Behandlungszahlen zurückgehen. Nach wie vor der häufigste Übertragungsweg ist injizierender Drogenkonsum (61 Prozent), MSM machen 6 Prozent und drogengebrauchende Menschen in Haft 3 Prozent aller Meldungen mit bekanntem Übertragungsweg aus.

Der Welt-Hepatitis-Tag ist ein internationaler Aktionstag. Im Jahr 2010 erkannte die WHO-Hauptversammlung Virushepatitis mit einer Resolution als globale Gesundheitsbedrohung an. Seit 2011 wird der Welt-Hepatitis-Tag als offizieller Gesundheitstag der WHO am 28. Juli durchgeführt. Im Jahr 2016 hat sich die WHO – und mit ihr die 194 Mitgliedsstaaten, einschließlich Deutschland – das   ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2030 Hepatitis C als allgemeine Gesundheitsbedrohung zu eliminieren.

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1 Dies gilt für MSM und drogengebrauchende Menschen (Hepatitis-A-Impfung) bzw. für Menschen mit HIV, drogengebrauchende Menschen und Menschen in Haft (Hepatitis-B-Impfung) gemäß STIKO-Impfempfehlung des Robert Koch-Instituts. Für diese Gruppen sollte die indizierte Impfung von der gesetzlichen Krankversicherung bzw. vom Justizhaushalt übernommen werden.

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