2019-07-10: 50 Jahre Stonewall bedeuten 50 Jahre Emanzipationsgeschichte

CSD-Empfang des Schwulen Netzwerks und der Aidshilfe NRWDas Schwule Netzwerks NRW und die Aidshilfe NRW konnten am vergangenen Samstag wieder mehr als 600 Gäste zum CSD-Empfang im Kölner Gürzenich willkommen heißen, der ganz im Zeichen des Stonewall-Aufstands in New York vor 50 Jahren steht. Steffen Schwab, Landesvorsitzender des Schwulen Netzwerks NRW, wird unter den vielen Gästen Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth sowie zahlreiche Landtags- und Bundestagsabgeordnete begrüßen. Zugleich freut er sich, dass so viele Ehrenamtlichen aus den Strukturen der beiden Landesverbände der Einladung folgten. Durch das Programm der Veranstaltung führte Oliver Schubert.

Schwab erinnerte an die von Joachim Stamp, stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Kinder, Familien, Flüchtlinge und Integration, ausgesprochene Bitte um Vergebung für das vom Staat an den Opfern des Paragrafen 175 verübte Unrecht. "Diese Geste hat viele von uns sehr berührt. Sie erfüllt mit Stolz, weil sie zeigt, dass ein jahrzehntelanger, solidarischer Kampf eine Veränderung zum Guten bewirkt hat." Sie erfülle mit Freude, weil inzwischen die ersten queeren Generationen in Freiheit groß geworden sind. Sie erfülle aber auch mit Trauer um die Menschen, denen ein selbstbestimmtes, frei entfaltetes Leben vorenthalten worden ist, mit sozialen, materiellen und gesundheitlichen Konsequenzen. "Wir dürfen nicht zulassen, dass irgendwer das Rad noch einmal zurückdreht", so Schwab.

Arne Kayser, Landesvorsitzender der Aidshilfe NRW, erinnerte an die Ereignisse im Stonewall Inn vor 50 Jahren. Es seien weniger die aufrechten Lesben und Schwulen gewesen, die sich der polizeilichen Willkür in den Weg stellten, sondern vor allem obdachlose Jugendliche, People of colour, darunter Trans*Personen, Dragqueens, schwule Sexarbeiter, kurz: queere Menschen, die zu den Hinterzimmern der etablierten Schwulenbars gar keinen Zutritt hatten.

"Die Community hat Trans* und Inter*Personen, People of colour, Dragqueens und Tunten viel zu verdanken, sie darf sie nicht ausschließen", so Kayser. "Verschweigen wir nicht die, denen wir die Initialzündung unserer 50 Jahre dauernden Emanzipationsgeschichte verdanken." Er bekundete Solidarität der beiden Landesverbände bei der Kritik an der Reform des Transsexuellengesetzes. Es könne nicht sein, dass statt der betroffenen Trans*Personen nach wie vor ein Gericht entscheiden müsse, ob eine Änderung des Geschlechtseintrags im Pass erfolge oder nicht. Darüber hinaus kritisierte Kayser die nach wie vor geübte Praxis, Kinder mit einer Variation der Geschlechtsmerkmale zu operieren. „Solche OPs dürfen nur durchgeführt werden, wenn die betroffenen Personen aussagekräftig an der Entscheidung mitwirken und ihre Einwilligung geben können.

Kayser forderte einen offeneren Umgang mit den Themen der Menschen, die nicht heterosexuell orientiert sind. "Wenn wir offen und respektvoll über Sexualität und ihre Spielarten reden können, erhöhen wir die Wahrscheinlichkeit, dass auch Menschen jenseits der Heteronormativität ihre Sexualität unbeschwerter leben können", so Kayser. Das gelte auch für die Szene, die immer noch andere ausschließt. "Community bedeutet, füreinander einzustehen. Wir brauchen mehr Community, mehr Solidarität, mehr Zusammenhalt."

Die Kompassnadel 2019 geht in diesem Jahr an Johannes Kram, Autor, Textdichter, Blogger und Marketingstratege aus Berlin. Mit seinem jahrelangen Einsatz für die Akzeptanz von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans*, inter* und queeren Menschen in den Medien hat Kram zahlreiche skandalöse und diskriminierende Berichterstattungen aufgedeckt und zur Diskussion in eine breite Öffentlichkeit getragen. Die Laudatio auf Johannes Kram hielt Aslı Sevindim, bislang Kuratoriumsmitglied der Aidshilfe NRW und seit wenigen Tagen Leiterin der Abteilung "Integration" im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen.

Die Rede von Arne Kayser lesen Sie hier.

Die Laudatio auf Johannes Kram von Aslı Sevindim lesen Sie hier.

Die Dankesrede von Johannes Kram lesen Sie hier.

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